bulla-blog
–——————————–

Autobiographisches:
Erwachsenenalter

Ăśbersicht

  • Wie ich zu meinem Fischer-Diplom kam ...
    Erinnerungen an Karpathos
  • Suchtpotenzial
    Gedanken eines Ex-Rauchers
  • Meine ersten Autos
    Zwischen Silikon, Holzkonstruktion und Kolbenfresser

Wie ich zu meinem Fischer-Diplom kam ...

Erinnerungen an Karpathos

Mitte bis Ende der 90er – zu Zeiten, da ich mich noch längst nicht so gesund ernährte wie heutzutage und auch noch wie ein Schlot rauchte – war Griechenland mein favorisiertes Reiseziel. In einigen wenigen Jahren besuchte ich verschiedene griechische Inseln. Am intensivsten sind mir aus dieser Zeit die Inseln Kreta und Karpathos (in der südlichen Ägäis, ostnordöstlich von Kreta) in Erinnerung geblieben.

Wenn ich mich – und sei es auch nur für eine Weile – einem ausländischen Urlaubsziel verschrieben habe, versuche ich, mich mit Land und Leuten ein wenig zu identifizieren. So besuchte ich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre mit Vorliebe griechische Restaurants, holte mir von da des öfteren auch mal Gyros, Souvlaki oder Tzatziki, um es zu Hause zu verzehren, und trank Ouzo, bis er mir sozusagen zu den Ohren rauskam.

Durch das Wirts-Ehepaar in einem befreundeten griechischen Restaurant wurde mir auch die griechische Sprache nähergebracht, sodass ich eines Tages auf die Idee kam, einen Kursus zu belegen, um zumindest die Grundzüge der Sprache zu erlernen, damit ich wenigstens im Urlaub etwas mehr von mir geben konnte als nur „já su“ („hallo“), „kaliméra“ („guten Tag“), „kalinichta“ („gute Nacht“), „nä“ („ja“), „ochi“ („nein“), „efcharistó“ („danke“) und „jámas“ („prost“) sowie die Zahlen von eins bis zehn.

Sehr zeitnah hatte ich das Glück, an einem Kursus teilnehmen zu können. Zuvor hatte ich mir schon mal ein Lehr- und ein Arbeitsbuch samt Hörkassette sowie ein kleines Wörterbuch zugelegt und mich mit dem griechischen Alphabet vertraut gemacht, das ja doch sehr viel anders ist als das, was wir kennen – schon allein von den Schriftzeichen her.

Die erste Übungsstunde in der „Volkshochschule“ war eine Katastrophe: Dozent war ein Lehrer, der sonst, wie ich erfahren konnte, Kinder unterrichtete und sich nicht gerade durch Empathie auszeichnete. Da ich derzeit durchaus schon Erfahrungen mit der Qualität von „VHS“-Dozenten, aber natürlich auch mit ganz gewöhnlichen Lehrern hatte, war für mich schnell klar, dass die Chemie absolut nicht stimmte und sich der Unterricht recht zäh gestalten dürfte. So war der erste Unterrichtstag auch der letzte. Ich las mich in den Folgemonaten zwar noch ein wenig autodidaktisch in das Lernmaterial rein – aber bevor ich zu einer gewissen Form auflaufen konnte, war die Griechenland-Ära schon vorbei. Ich widmete mich völlig anderen Reisezielen, besuchte auch nicht mehr das griechische Restaurant, weil ich inzwischen das Rauchen aufgegeben hatte und das stark rauchende Wirts-Ehepaar und auch die knoblauchschwangeren Bratgerüche nicht mehr ertragen konnte.

Dennoch blieb in mir bis heute die Erinnerung an die Insel Karpathos lebendig – zum Beispiel die Erinnerung an das furchtbare Hotel „Tria Delfinia“ (seinerzeit hatte es sicherlich auch nur höchstens zwei Sterne), in dem wir seinerzeit untergebracht waren, das sich anlässlich des sogenannten kontinentalen Frühstücks von seiner allergeizigsten Seite zeigte: Zwar gab es Kaffee satt, aber dafür eine streng rationierte Portion halbvertrockneten Brotes, etwas Butter und Marmelade. Zum Glück hatten wir nur Frühstück gebucht und keine Halb- oder Vollpension, sonst hätten wir uns vermutlich totgeärgert und wären nach zwei Wochen halbverhungert wieder zu Hause angekommen. Mal die Hotelbewertungen bei Herrn Gugel nachgelesen, lässt ich feststellen, dass sich in fast 20 Jahren bei besagtem Hotel offenbar nicht viel geändert hat (oder wie man so schön sagt: „Sch... schwimmt immer oben“). Nach zahlreichen Reisen weltweit kann ich sagen, dass das jedenfalls das übelste Hotel war, das mir je untergekommen ist.

Ähnlich sah das auch der Fischer Mihalis, der zusammen mit seiner deutschen Frau ein kleines Restaurant am Hafen führte. Er nannte seinen speziellen Mitbewerber immer ein wenig ironisch „Tria Haifisch“.

Ausgemergelt vom Frühstück, nahmen wir bei Mihalis und seiner Frau regelmäßig unser Mittag- und Abendessen ein. Mit Mihalis – der auch etwas Deutsch sprechen konnte, ergänzt durch ein paar Brocken Englisch – verbrachte ich daneben so manche Stunde mit Gesprächen über Gott und die Welt, mit Rauchen und mit Ouzo, wodurch so etwas wie eine kleine Urlaubsfreundschaft entstanden war.

Eines Tages fragte mich Mihalis, der sehr früh morgens immer mit seinem kleinen Boot (kaum größer als ein gewöhnliches Ruderboot) hinausfuhr, um Fische für das Restaurant zu fangen, ob ich nicht mal Lust hätte, ihn zu begleiten. Ich willigte ein, und schon am nächsten Morgen trafen wir uns zu nachtschlafender Zeit am Hafen. Ich bekam eine Schwimmweste verpasst, und Mihalis warf den kleinen Motor an.

Im Hafenbecken war es noch ganz witzig, als wir dann allerdings aufs offene Meer hinausfuhren, wurde mir schon ein wenig mulmig ob des Wellengangs. Während ich achtern das Ruder fest im Griff hatte, mehr im Boot lag als saß und mich mit der freien Hand am Bootskörper festklammerte, stand Mihalis freihändig und vom Schaukeln des Bootes völlig unbeeindruckt in der Nähe des Bugs auf den querverlaufenden Bohlen und hantierte mit seinem Fischernetz. Da sich meine Augen fast auf Höhe seiner Füße befanden, konnte ich deren Muskulosität bewundern: Selten habe ich so kräftige Füße gesehen. Aber kein Wunder, weil er ausschließlich mit ihrer Hilfe Halt fand auf einem total wankenden Boot. Die Füße wirkten geradezu wie angewurzelt, und man hätte angesichts von Mihalis' Haltung den Eindruck gewinnen können, dass er sich nicht auf einem unruhigen Meer befand, sondern auf einer befestigten Kaimauer, von der aus er seine Netze ins Meer warf.

Nachdem ich mich ein wenig mit den Gegebenheiten auf dem Boot vertraut gemacht hatte, wollte mich Mihalis natürlich auch ein wenig beschäftigen und in sein Tun einbinden, indem ich ihm mal dies, mal jenes reichen sollte, was mir allerdings nur unter Anstrengung gelang, weil ich mich ständig krampfhaft irgendwo festhalten musste, um nicht das Gefühl zu haben, den Halt zu verlieren und über Bord zu gehen.

Nach einer Zeit, die mir damals wie eine Ewigkeit vorgekommen war, fuhren wir wieder in den schĂĽtzenden Hafen ein, und von mir fiel die Anstrengung der letzten Stunden wie eine zentnerschwere Last ab.

Zur Belohnung gab's dann natürlich erst mal einen kräftigen Zigarillo und mehrere Ouzo. Und während ich beim Genießen war, nahm Mihalis den in Restaurants üblichen Notizblock und kritzelte etwas darauf. Das Ergebnis ist in der nebenstehenden Abbildung zu sehen: Mit meiner Teilnahme am Fischfang des 20. Juli 1999 hatte ich mir das Fischer-Diplom wohlverdient.




(Foto / Grafik: © Frank R. Bulla)

Suchtpotenzial

Gedanken eines Ex-Rauchers

(Foto: N. N. / photoshopped: Frank R. Bulla)

Rund 30 Jahre lang selbst Marionette der Nikotinsucht gewesen (in der Endphase waren's in den allerstressigsten Zeiten mal locker gut drei Schachteln „Camel ohne“ oder Selbstgedrehte pro Tag), vermag ich die Aufgebrachtheit der süchtigen Bevölkerung angesichts von Nichtraucher-Gesetzen und adäquaten gesellschaftlichen Entwicklungen nur zu gut nachzuvollziehen ...

Der volkswirtschaftliche Schaden der Qualmerei indes ist beträchtlich. Im Gegensatz zu potenziellen Gefahren, die unserer Gesundheit auflauern können, wie beispielsweise ein massiver Störfall in einem Kernkraftwerk, ist die Gefahr des Rauchens – auch des Passivrauchens – sehr konkret. Gegen den Supergau im AKW können uns Betreiber durch Sicherheitsmaßnahmen schützen; gegen das Rauchen helfen nur Verbote – denn Einsicht kann man von süchtigen Menschen wohl kaum erwarten. Und da hilft auch wenig die Gewissheit, dass man hartnäckige Raucher auf der Welt bei weitem nicht so lange ertragen muss wie Nichtraucher, weil die Nikotinsüchtigen aufgrund von Herzinfarkten, Schlaganfällen u. dgl. schon erheblich früher das Zeitliche segnet – bis es so weit ist, müsste man die Raucher dennoch ertragen. Insofern wäre ein Gesetz sehr zu begrüßen, das – erheblich straighter als die derzeitige Fassung – das Rauchen in der gesamten Öffentlichkeit verbieten würde; denn wir sollten dabei auch nicht die Vorbildwirkung auf Minderjährige (also die potenzielle nächste Generation der Raucher) außer Acht lassen.

Es kann jedenfalls nicht sein, dass die Lebensqualität anderer Menschen darunter leidet, bloß weil Raucher ihre Sucht nicht in den Griff bekommen und in selbstherrlicher Weise die Luft verpesten. Manche miefen (Zitat aus Timo Vernes' Werk „Er ist wieder da“) wie „billiger Schinken“ – wenn man Glück hat! Die Zeiten haben sich eben geändert – das müssen auch die Raucher begreifen.

Zum Glück bin ich seit rund 20 Jahren clean und weiß die Vorteile des Nichtrauchens so sehr zu schätzen, dass ich das Rauchen gewiss nie wieder anfangen werde! Und ich trauere den einigen zehntausend D-Mark nach, die ich seinerzeit buchstäblich in die Luft geblasen habe ...

Interessanter Link



Meine ersten Autos

Zwischen Silikon, Holzkonstruktion und Kolbenfresser

(Foto: © Frank R. Bulla)

Mein erstes eigenes Auto war ein „Talbot Simca 1100“, viertürig, blau-metallic, sehr durstig (sowohl Benzin als auch Öl), dafür aber sehr günstig (500 D-Mark). Ich weiß eigentlich nur noch darüber, dass der fahrbare Untersatz nach kurzer Zeit schon eine neue Zylinderkopfdichtung brauchte und Probleme mit der Lichtmaschine machte. Und da ich seinerzeit immer nur zu gern das Gaspedal voll durchtrat, fühlte sich die Klapperkiste nach nicht allzu langer Zeit völlig überfordert und bescherte mir einen Kolbenfresser.

Das zweite Auto war da schon etwas langlebiger: ein „Audi 80“, zweitürig, gelb-orange, ebenfalls sehr durstig. Doch auch dieses Fahrzeug hatte so seine Tücken: Der Unterboden war schon ein wenig rostig, und hinter den Vordersitzen war das Blech schon so sehr durchgerostet, dass man von der Rückbank aus einen Blick auf den Asphalt werfen konnte. Ein Fahrgast auf der Rückbank musste seine Füße möglichst weit jenseits dieses Loches platzieren, da das Blech an der Stelle schon reichlich am Wippen war. Aber mit ein wenig handwerklicher Begabung ließ sich das Problem schnell lösen:

Zunächst kaufte ich Silikon, um das Löchrige auszuspritzen und dadurch abzudichten. Da mir zuvor keiner erzählt hatte, wie unverschämt dieses Zeug klebte und dass man bei der Verarbeitung besser Handschuhe benutzen sollte, hatte ich noch wochenlang etwas von dieser Substanz an den Händen kleben. Viel einfacher war dagegen der Umgang mit Holz. Da inzwischen der Rost im Bodenblech so weit fortgeschritten war, dass sogar schon der Beifahrersitz bei Belastung zu wippen anfing und sich zusammen mit dem Bodenblech nach unten bog, musste eine stützende Unterkonstruktion aus Dachlatten her. Danach saß der Vordersitz wieder bombenfest an der Stelle, wo er hingehörte. Und mit dem Wagen konnte sogar noch ein Camping-Urlaub auf Amrum absolviert werden: Beladen mit vier Personen, Zelt, Klamotten und Basisverpflegung für zwei Wochen ächzte der „Audi“ zwar sehr, brachte uns aber wohlbehalten ans Ziel und wieder zurück.

Da ich meine Vorliebe fĂĽrs Fahren mit BleifuĂź bis dahin noch nicht aufgegeben hatte, war es nur wieder eine Frage der Zeit, bis auch dieses Fahrzeug elendig verreckte.

Mein drittes Auto (siehe Foto!), immerhin 1.000 D-Mark teuer, hielt auch entsprechend länger, zumal es auch deutlich mehr PS (und somit auch mehr Durst) hatte und von daher meinem Bleifuß mehr entgegenzusetzen hatte: ein „Audi 100 L“, viertürig, rot. Aber auch dieses Gefährt segnete irgendwann das Zeitliche – ich nehme mal an: Kolbenfresser.

Anschließend war ich von Celle nach Hannover gezogen, wo ich kein Auto brauchte, da ich mich entweder zu Fuß oder mit U-Bahn oder Bahn fortbewegte. In Hannover begann schließlich – nach mehr als einem Jahrzehnt, das geprägt war von zwei Berufsausbildungen und einem Studium – meine Selbstständigkeit, die mir von da an nur noch werksneue Autos bescherte. Inzwischen war ich auch zu einer gemäßigteren Fahrweise übergegangen, sodass seither kein Kolbenfresser mehr zu verzeichnen gewesen ist – toi-toi-toi!